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Interview mit Thomas P.* (17)
JS: Hallo, danke dass du dir Zeit genommen hast, um uns ein paar Fragen zu beantworten, die das Thema
Vorurteile anschneiden.
T: Hallo.
JS: Dann gleich mal die erste Frage: Warum bist du Punk und nicht Hippie, Gothic oder etwas anderes?
T: Warum nicht? Der Sinn des Punk-Seins ist in meinen Augen, die Gesellschaft auf die gegenwärtig herrschenden
sozialen Missstände aufmerksam zu machen und sie erkennen zu lassen, dass es so nicht weitergehen darf. Das
ist wichtig und damit identifiziere ich mich.
JS: Mit dem Wort „Punk“ werden im Volksmund Dinge wie Drogen, Schmarotzer, Proteste oder
Ungepflegtheit verbunden. Ist es tatsächlich so, dass viele Menschen Vorurteile gegenüber Punks
haben?
T: Ja, das ist leider Tatsache.
JS: Welche Reaktionen zeigen denn Menschen, denen du das erste Mal oder einfach nur auf der Straße
begegnest?
T: Das ist unterschiedlich, manchen Menschen gefällt die Art wie Punks sich kleiden oder man bekommt Komplimente
für die Frisur. Aber es gibt auch Leute, die einen offensichtlich abwertend ansehen oder sogar beschimpfen.
JS: Das krasseste Erlebnis im Bezug auf die vorherige Frage?
T: Das lustigste war, also in Garmisch in der Fußgängerzone ein etwa 70-Jähriger Herr auf mich zu kam und meinte:
„Das sind ja echt geile Haare! Wenn ich noch mehr davon hätte....“ Da ist man dann schon positiv überrascht.
JS: Wie siehts in der Schule oder beim Bewerben aus? Wirst du genauso wie jeder andere respektiert?
T: Eigentlich nicht so. Man kann das nicht allgemein sagen, aber Arbeitgeber und Lehrer, die einen weil man anders ist
benachteiligen, gibt es genug. Mit Fleiß und Engagement geht es aber meistens trotzdem, man wirkt dem Klischee
des Schmarotzers entgegen.
JS: Hast du also das Gefühl von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein?
T: Nicht wirklich, wenn es für jemanden nicht in Ordnung ist, dass ich Punk bin, dann soll es mir egal sein. Ansonsten
komm ich genauso gut wie jeder andere klar ob beim Einkaufen oder Essen gehen und der Großteil meines
Freundeskreises besteht aus Nicht-Punks.
JS: Und wie gehst du im Gegenzug mit Menschen um, die sich dir gegenüber vorurteilhaft verhalten?
T: Zuerst bediene ich die Klischees eines Punks, mit dem Hintergedanken danach diesem Menschen im Gespräch zu
zeigen, dass diese Klischees bei der breiten Masse der Punks nicht greifen und versuche ihn so dazu zu bringen
sich selbst das „Brett vor dem Kopf“ zu nehmen. Sodass es dann heißt: „ Hey, du bist ja gar nicht so...“
JS: Gute Sache und wie steht´s mit dem „grünen Freund und Helfer“?
T: Das ist auch so eine Sache... Man wird als Punk unüblich oft gefilzt, da es die Vorurteile von wegen Drogen und
Alkohol auch bei der Polizei gibt. Es ist wie inoffizielle Diskriminierung, aber es gibt solche und solche, man kann
das nicht verallgemeinern und im Gespräch sind die meisten Beamten ganz in Ordnung.
JS: Vielen Dank für deine Antworten und deine Sicht der Dinge. Deine letzten Worte?
T: Punks pieksen nicht.
JS: In der Tat.
* Name von der Redaktion geändert
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